Maquilapolis. City of Factories

USA /Mexiko 2006, R.: Vicky Funari (OmeU)

maquilapolisCarmen und Lourdes arbeiten in den Maquiladoras von Tijuana, Mexiko. An der Grenze zu den USA entstanden mit Krediten von Weltbank und IWF seit den 1960er Jahren fast 4000 Fabriken (sattsam bekannter Marken), in denen mehr als 1 Million Arbeitskräfte, 80 Prozent davon Frauen, für Billiglöhne am Fließband schufteten. Heute schließt ein Großteil von ihnen – in Asien ist Arbeitskraft noch billiger zu haben – und hinterlässt kontaminierte Böden, Krankheit, Verwüstung und Armut. Vicky Funari und Sergio de la Torre haben mit Maquilapolis einen eindrucksvollen Dokumentarfilm über diese Fabriken in der mexikanischen Grenzstadt gedreht. Gemeinsam mit ArbeiterInnen, die sich in den vergangenen Jahren politisch organisiert haben, veranstalteten die beiden FilmemacherInnen einen sechswöchigen Videoworkshop. Anschließend dokumentierten die Frauen selbst ihre Arbeit in der Maquila, ihr Leben in den von Fabrikabwässern vergifteten Slums von Tijuana und die erfolgreiche Zusammenarbeit lokaler Initiativen mit linken Basisorganisationen aus den USA. Hier gibt es keine Opfer, sondern Widerstand und Power. Indem sie die sich als „Promotoras“ organisierenden Frauen in ihre Arbeit einbezogen, Material und Ideen gemeinsam entwickelten, wurde der Film nicht nur zum Zeugnis, sondern zum Instrument einer Subjektwerdung. Carmen erkämpft sich eine Abfindung, Lourdes fordert mit einer kleinen Gruppe Gleichgesinnter die mächtigen Umweltbehörden der USA und Mexiko heraus. „Maquilapolis“ geht über eine Sozialreportage weit hinaus, arbeitet mit Inszenierungen, visuellen Effekten sowie Tagebuch-Elementen und dokumentiert eindrucksvoll die oft beschworene Kraft der Schwachen. Wer in Zukunft sein Panasonic-Gerät einschaltet, wird an die Frauen von „Maquilapolis“ denken.

Fr, 17.10., 22:00