Archiv der Kategorie: filme-2013

Zeit der trunkenen Pferde

Iran, 2000, Drama, 82 min, R: Bahman Ghobadi

2013-zeitdertrunkenenpferdeDie Phase IV stellt in ihrem ThemenSpezial iranische Filmemacher in den Mittelpunkt, die seit Jahren zu den innovativsten des Weltkinos zählen. Der Blick soll erweitert werden auf den Nahen und Mittleren Osten und seine Lebenswelten, jenseits westlicher Klischees kultureller Rückständigkeit. Arbeiten u.A. aus der Türkeiund Afghanistan ergänzen den Versuch, Probleme und Perspektiven der Region filmisch erfahrbar zu machen.

Fünf Geschwister leben im kurdischen Grenzgebiet zum Irak in bitterer Armut. Der 12jährige Ayub ist nach dem Tod der Eltern das Oberhaupt der Familie und versucht seine Geschwister zu ernähren. Er leistet Schwerstarbeit für wenig Geld. Als sein kranker Bruder dringend operiert werden muss, schliesst er sich einer Schmugglertruppe an, die Waren über die winterliche Grenze bringen will – ein mit vielen dokumentarischen Bildern gedrehtes, erschütterndes Drama.

The Sunny Side Of Sex

Niederlande, 2012, Doku, 4×45 min, R: Sunny Bergman

2013-sunnysideofsexWeiblichkeit, Sexualität, Liebe und der eigene Körper. Die vierteilige Dokumentation führt Sunny Bergman nach Uganda, China, Kuba und Indien. Vier Länder mit vier unterschiedlichen Sichtweisen auf Sexualität. Sie lernt in China Mosuo-Frauen kennen, die sich für die sogenannte „visiting marriage“ entschieden haben, erhält Sexunterricht in Uganda, einem Land, in dem sich die Abwesenheit kommerzieller Darstellung des weiblichen Körpers positiv für die Frauen auswirkt, kommt in Kuba mit Freizügigkeit in Kontakt und lernt in Indien, dass es beim Sex um viel mehr als körperliches Verlangen geht. Jede der vier Episoden nimmt die ZuschauerInnen mit auf eine Reise und liefert interessante neue Perspektiven auf das Thema Sex, die einfach ganz anders als die Ansichten von Körperlichkeit und Sexualität in unserer Gesellschaft sind.

The Act of Killing

Dänemark, 2012, Drama, 115 min, R: Joshua Oppenheimer

2013-theactofkilling„Was Verbrechen ist, entscheiden die Sieger, und ich bin ein Sieger“, sagt einer der Protagonisten. In diesem Selbstbewusstsein akzeptierten Anwar Congo und seine Freunde den Vorschlag des Dokumentarfilmers Joshua Oppenheimer, einen DRAMA über ihr Leben zu drehen. Als sich General Suharto 1965 in Indonesien an die Macht putschte, führten sie die Todesschwadronen der paramilitärischen Pancasila Jugend an. Sie sind mitverantwortlich für einen der grausamsten Massenmorde des 20. Jahrhunderts. In Indonesien feiert man sie heute noch als Helden. „The Act of Killing“ ist eine surreal schöne aber auch höchst verstörende Dokumentation über verdrängte Erinnerungen an einen vergessenen Völkermord.

Made in Ash

Slowakei, 2012, Drama, 80 min, R: Iveta Grofova, Marek Lescák

2013-madeinashDorotka träumt von einem neuen Leben. Sie lässt Familie und Freund in der Slowakei zurück und zieht in die deutsch-tschechische Grenzstadt Aš, wo sie Arbeit in einer Textilfabrik findet. Der Job ist schlecht bezahlt und die Arbeitszeiten sind lang. Als die Fabrik schließt, muss sie eine schwere Entscheidung treffen.

Eine ergreifende Geschichte über eine junge Frau, die in die Welt hinausgeht, um ihr Glück zu finden. Mit naiven Erwartungen und sehr begrenzten Möglichkeiten, nimmt die Geschichte ihren Lauf. Der slowakischen Filmemacherin Iveta Grófová gelingt mit dem dokumentarisch anmutenden Drama ein sehr realistischer Blick auf die Lebensbedingungen in der heutigen Slowakei und Tschechien.

Anschließend Gespräch mit Filmemacherin Iveta Grófová

Sweet Dreams

USA, 2012, Doku, 88 min, R: Lisa + Rob Fruchtman

2013-sweetdreamsRuanda leidet noch immer unter dem Genozid von 1994. Obwohl es dem Land immer besser geht, sind viele Menschen durch die Gräueltaten dauerhaft traumatisiert. Ein Zusammenleben von Angehörigen der Opfer und Täter ist schwierig. Die Theaterdirektorin Kiki Katese will die Versöhnung fördern und gründet eine Frauentrommelgruppe – für Hutus und Tutsis. Frauen, die trommeln – das ist neu in Ruanda. Als sie dann vorschlägt, eine Kooperative zu gründen und die erste Eisbar in Ruanda zu eröffnen, sind die Trommlerinnen neugierig. Werden sie mit dem Laden neue Lebenslust entwickeln und Perspektiven für sich schaffen? Eine Gruppe beeindruckender Frauen, die trotz ihrer Vergangenheit zusammenhalten und etwas Neues schaffen wollen.

Putin’s Kiss

Dänemark, 2012, Doku, 84 min, R: Lise Birk Pedersen

2013-putinskissIm Zentrum von ‚Putin’s Kiss‘ steht Marsha Drokova. Sie hat sich bereits als Jugendliche
erfolgreich die Karriereleiter der von Vladimir Putin gegründeten Jugendorgansiation Nashi hochgearbeitet. Sie ist überzeugte Anhängerin der Politik Putins bis zu dem Zeitpunkt, an dem sie Oleg Kashin kennenlernt. Er gehört einer Reihe von oppositionellen JournalistInnen an. Im November 2010 wurde er beinahe zu Tode geprügelt. Die Spuren der Täter führen bis in die höchsten Kreise der Nashi-Administration.

Berg Fidel

Deutschland, 2011, Doku, 87 min, R: Hella Wenders

2013-bergfidelEine Grundschule in Münster, es ist morgens 8Uhr und der Klassenrat tagt. Wer hat wen geärgert und wie wird das Problem am besten gelöst? Dazu braucht es keinen Lehrer, die Kinder entscheiden selbst, denn jeder darf und soll sich einbringen, hier in Berg Fidel. Das Besondere daran: es ist egal ob körperlich oder geistig beeinträchtigt, ob Lernschwäche oder Mathe-Ass: es lernen alle gemeinsam.

Vier gewitzte kleine Menschen erklären uns in diesem Film, wie ihr Schulalltag funktioniert und lassen uns mit dem Gefühl zurück, dass alles möglich ist, wenn man es nur richtig anstellt. Zauberhaft.

The Future’s Past

Österreich, Luxemburg, 2012, Doku, 91 min, R: Susanne Brandstätter

2013-thefuturespastIn nur vier Jahren Schreckensherrschaft der Roten Khmer wurden in Kambodscha zwischen 1975 und 1979 im Namen der Revolution fast zwei Millionen Menschen – ein Viertel der Bevölkerung – zu Tode gefoltert und ermordet. Die traumatischen Geschehnisse und qualvollen Erinnerungen wurden viele Jahre verdrängt, bis mit der Eröffnung des Rote-Khmer-Tribunals eine langsame Aufarbeitung der Geschichte begann.

Der Film begleitet vier Jugendliche und deren Familien, die jeweils ihre eigenen Geschichten über diese Zeit erzählen. Die jungen ProtagonistInnen stellen ihren Eltern Fragen, die sie bisher nie auszusprechen wagten. Zusammen mit den Zuschauern des Films stehen sie vor der Herausforderung, mit den Antworten umzugehen und sie zu verstehen.

God Save the Green

Italien, 2012, Doku, 72 min, R: Michele Mellara, Alessandro Rossi

2013-godsavethegreenDas Verhältnis zwischen Stadt- und Landbewohner in unserer Welt hat sich verändert. Die Mehrheit der Bevölkerung lebt heute in Städten! Dennoch haftet ihnen noch immer das Bedürfnis nach Natur und Landwirtschaft an – Säen, Pflanzen, Ernten, Essen – und das alles mitten in der Stadt! Einige Menschen macht das glücklich, anderen dient es gleichzeitig der Nahrungssicherstellung.

God save the Green zeigt nicht nur Gemeinschaftsgärten mitten in Berlin und hängende Gärten in Italien, sondern führt uns auch nach Marokko, Brasilien und Kenia, wo die Menschen es schaffen „Grün“ zu pflanzen, trotz der teilweise unmöglichen naturräumlichen Gegebenheiten.

Intersexion

Neuseeland, 2012, Doku, 68 min, R: Grant Lahood

2013-intersexionIntersexualität in einer Welt, die nur „männlich“ und „weiblich“ kennt. Wie geht es Menschen mit einer sogenannten Sexualdifferenzierungsstörung in einer Gesellschaft, die das Thema der Intersexualität totschweigt? 20 Intersexuelle erzählen von traumatischen Erlebnissen, Geschlechtsumwandlungsoperationen und dem Wunsch, als gleichwertig betrachtet zu werden. Wieso sollte man wegen etwas ausgeschlossen werden, wofür man nichts kann? Sie wünschen sich eine Toleranz der Unterschiede. Niemand muss sich für den Körper schämen, mit dem er geboren wurde. Menschen sollten sich darüber definieren, wer sie wirklich sind, und nicht über ihre Geschlechtsorgane. Sie sind Menschen wie Du und Ich, keine Freaks, keine
Außenseiter.

Documentary Edge Festival – Best New Zealand Documentary

Meine Keine Familie

Österreich, 2012, Doku, 93 min, R: Paul-Julien Robert

2013-meinekeinefamilieGemeinschaftseigentum, freie Sexualität, Auflösung der Kleinfamilie, – diese waren die Grundprinzipien des Friedrichshofs. Der Wiener Aktionist Otto Mühl gründete Anfang der 70er Jahre die größte Kommune in Europa. Regisseur Paul-Julien Robert, der in diese Kommune hineingeboren wurde, begibt sich in „Meine keine Familie“ auf eine persönliche Reise in die eigene Vergangenheit. Ausgehend von Archivmaterial, das im Film erstmalig öffentlich gezeigt wird, konfrontiert der Regisseur sich selbst und seine Mutter mit der Frage: Was ist eigentlich Familie?

Die 727 Tage ohne Karamo

Österreich, 2013, Doku, 80 min, R: Anja Salomonowitz

2013-die727tageLiebe zwischen Behördengängen, Abschiebung und Angst: wenn ÖsterreicherInnen AusländerInnen heiraten, steht ihnen ein stark reglementiertes Eheleben bevor. Abgesehen von Vorurteilen, mit denen die Paare ständig konfrontiert werden, müssen sie hohe Auflagen erfüllen, um wirklich zusammen leben zu können. Sie müssen ein bestimmtes Einkommen erzielen und schwere Deutschkurse abgelegen. Hinzu kommen ständige Polizeikontrollen, bei denen bewiesen werden muss, dass keine Scheinehe vorliegt. Wer sich für die Liebe entscheidet, entscheidet sich gleichzeitig für einen Kampf gegen das österreichische Gesetz und in manchen Fällen auch zu einem Leben getrennt vom Ehepartner.

A Good Day to Die

USA, 2010, Doku, 58 min, R: David Mueller, Lynn Salt

2013-agooddaytodieDennis Banks, geboren 1937 im Leech-Lake-Reservat in Minnesota, ist Mitbegründer von AIM – dem American Indian Movement. Die 1968 gegründete Bewegung setzt sich für die Rechte der indigenen Bevölkerung Nordamerikas ein. Als wortgewandter und mutiger Mensch, machte sich Banks schnell einen Namen. Mit dem Satz „It is a good day to die“, ging er in die Geschichte ein.

Honor the Treaties

USA, 2012, Kurzfilm, 15 min, R: Eric Becker

2013-honorthetreatiesAaron Huey verdient sein Geld als Foto-Journalist. Sein neuestes Projekt „Honor the treaties“ ist eine Fotodokumentation des Pine Ridge Reservats in South Dakota, welches auch als Gefängnis oder „Murder Ville“ bezeichnet wird. Aus einer Fotostrecke wurde eine gesellschaftliche Bewegung – Regisseur Eric Becker begleitet ihn dabei.

Winner Best Short Doc – Red Nation Film Festival 2012

The Way Things Are

USA, 2012, Kurzfilm, 15 min, R: Daniel E. Hyde

2013-thewaythingsare„The way things are“ zeigt exemplarisch, wie die junge indigene Bevölkerung in Nordamerika lebt. Der Alltag der ProtagonistInnen ist von Drogenkonsum, Alkohol, Waffenmissbrauch geprägt. Es scheint ausweglos, denn die jungen Menschen haben bereits resigniert.

La Pirogue – Die Piroge

Frankreich, Senegal, D, 2012, Drama, 87 min, OMU, R: Moussa Tourè

2013-lapirogueBaye Laye ist ein einfacher Fischer aus dem Senegal, der auf ein besseres Leben hofft. Als sein Bruder Abou beschließt, sich dem Schlepper Lansana anzuschließen und den Weg nach Europa zu beschreiten, lässt sich Baye Laye nur widerwillig davon überzeugen, mitzugehen. Als Kapitän einer Piroge, einem Fischerboot, versucht er 30 Menschen auf die Kanaren zu bringen. Jeder von ihnen wünscht sich einen Neuanfang, sei es als Fußballer, Musiker oder Landarbeiter. Aber nur Baye Laye weiß, welche Gefahren das Meer birgt. Dieser Film zeigt mit emotionalen Bildern, welchen Gefahren Menschen auf ihrem Weg nach Europa aufgrund der hohen Zugangsbeschränkungen ausgesetzt werden.

Salma

GB, 2013, Doku, 89 min, R: Kim Longinotto

2013-salmaSalma ist muslimische Tamilin aus Südindien. In ihrem Dorf dürfen sich Mädchen wie Salma mit dem Einsetzen der Pubertät nicht mehr in der Öffentlichkeit zeigen. Das Elternhaus wird zum Gefängnis. Die arrangierte Ehe ändert an Salmas Situation wenig. Nun muss sie sich den Regeln ihrer Schwiegermutter fügen. Doch Salma will leben – überleben. Sie schreibt heimlich Gedichte und veröffentlicht sie gegen den Willen ihrer Angehörigen. Einem Pressefotografen zeigt die junge Frau ihr Gesicht. Das Foto erscheint. Mit diesem Tabubruch beginnt Salmas Aufstieg zur Politikerin, zur Frauenrechtlerin und zur bekanntesten tamilische Dichterin Indiens. Ab jetzt kämpft sie für die Mädchen der nachfolgenden Generation.

Berlinale – Zweiter Platz im PanoramaPublikumspreis

In the Shadow of the Sun

GB, 2012, Doku, 84 min, R: Harry Freeland

2013-intheshadowofthesunIn Tansania verbreiten Hexenmeister den Glauben, dass Körperteile von Menschen mit Albinismus Glück und Reichtum bringen. Josephat ist einer dieser Menschen, die als „weiße Teufel“ beschimpft werden. Er hat sich zur Aufgabe gemacht, Aufklärungsarbeit zu betreiben. Er verlässt seine Familie und besucht Menschen, die immer noch der Überzeugung sind, dass es richtig ist, albinotische Menschen zu verstümmeln oder zu töten. Vedastus ist 15 und leidet unter Albinismus – die Schule konnte er nie besuchen, weil er immer verprügelt wurde. Die Hoffnung auf einen erfolgreichen Schulabschluss gibt er trotzdem nicht auf.

Harry Freeland erzählt mit seiner Dokumentation eine Geschichte von tief verwurzeltem Aberglaube, Leid und unglaublicher Kraft.