Archiv der Kategorie: filme-2009

Glorious Exit

Schweiz 2007, R.: Kevin Merz, OmU, 75 min

glorious-exitDurch den Tod des Vaters wird Jarreth Merz mit seiner afrikanischen Herkunft konfrontiert. Der Schauspieler lebt in Los Angeles, als er vom Tod seines Vaters erfährt. Nach nigerianischer Tradition ist es der Erstgeborene, der sich um das Begräbnis des Vaters kümmern soll. Überraschend ist das schon, denn Jarreth Merz ist bei der Mutter in der Schweiz aufgewachsen, lebt in den USA und hat seinen Vater nur dreimal im Leben getroffen. Jetzt aber soll er die Verantwortung für seine ganze Verwandtschaft übernehmen. Zusammen mit seinem Halbbruder, dem Filmemacher Kevin Merz, reist Jarreth nach Nigeria. Die Familie erwartet ihn schon sehnsüchtig, wichtige Entscheidungen müssen gefällt werden. Schnell erfahren die beiden Brüder, dass nigerianische Begräbnisse eine höchst delikate Planung erfordern, auf dem Weg zum großen Ereignis lauern ungezählte Fallgruben. Was zum Beispiel, wenn die Kosten für die Zeremonie jeden Budget-Rahmen sprengen? Nicht selten ruinieren Begräbniskosten ganze Familien in Nigeria auf Jahre hinaus. Und was, wenn die Verwandtschaft der Witwe die Beerdigung boykottiert und die ihnen zustehenden Geschenke einfordert? „Glorious Exit“ gibt intime, berührende, oft skurrile und stets von Neuem überraschende Eindrücke des Innenlebens einer nigerianischen Großfamilie.

Di, 03.11, 22:00

Ein Augenblick Freiheit

Österreich, Frankreich, Türkei 2008, R.: Arash T. Riahi, 110 min, OmU

augenblick-freiheit2Ein Ehepaar und zwei junge Männer mit zwei Kindern sind auf dem Weg zur iranisch-türkischen Grenze, illegal, in ständiger Angst vor Polizeikontrollen. Mit dem Bus, dann zu Fuß, geht es durch karge Landschaften, bis sie auf verschlungenen Pfaden endlich die Türkei erreichen. Zusammen mit anderen iranischen Flüchtlingen stranden sie in einem schäbigen Hotel in Ankara und lernen dort zwei Freunde kennen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten: den daueroptimistischen Lebenskünstler Manu und den schwerblütigen politischen Aktivisten Abbas. Ankara, das bedeutet für die Flüchtlinge in den ersten Tagen nach ihrer Ankunft ein beglücktes Auskosten all der neuen, ungewohnten Freiheiten. Keine lebensbedrohenden Schikanen bewaffneter Revolutionswächter, kein Schleierzwang, keine anderen Zeichen der Repression. Für einen Augenblick scheint die Freiheit tatsächlich erreicht zu sein. Doch dann beginnt eine zermürbende Zeit des Wartens, ein nicht enden wollendes Wechselbad aus Hoffnung und Enttäuschung …

Der iranisch-österreichischen Regisseurs Arash T. Riahi (Exile Family Movie) erzählt in Form eines Episodenfilms die tragikomische Geschichte von drei Flüchtlingsgruppen, von deren Mut, sich auf die Suche nach einem besseren Leben zu machen und von ihren ersten freien Atemzügen nach einer langen Phase der Repression. Zusammen mit den Protagonisten, meist Laiendarstellern, erlebt man ungewöhnlich komische Szenen aus dem Alltag, Momente großer Liebe und mangelnden Vertrauens, anrührende Beweise der Freundschaft und Momente schockierender Niedertracht. Im Film verarbeitet der im Iran geborenen Riahi seine eigenen Erfahrungen und andere authentische Flüchtlingsgeschichten als mitreißende Achterbahn der Emotionen.

Di, 03. 11., 20:00

In This World

Großbritannien 2002, Regie: Michael Winterbottom, 85 Min

inthisworld2Der afghanische Teenager Jamal lebt als Waise im Flüchtlingslager Shamshatoo in Pakistan. Um ihm und seinem Cousin Enayatullah eine bessere Zukunft zu ermöglichen, kauft Jamals Onkel bei illegalen Schleusern zwei „Tickets“ nach London. Im Februar 2002 starten Jamal und Enayat ihre lange Reise, werden jedoch im Iran zunächst bei einer Kontrolle aufgegriffen und zurückgeschickt. Die Schieber werden ein zweites Mal bezahlt, ein weiteres Mal machen sich die beiden jungen Männer hoffnungsvoll auf den Weg gen Westen – durch den Iran, die Türkei, Italien und Frankreich – im Bus, auf der Ladefläche klappriger Pick-Ups, eingesperrt in einem Container, den Schleppern ausgeliefert.

Di, 03.11., Jugendprogramm (nur mit Anmeldung)

Rich Brother

Deutschland 2009, R.: Insa Onken, 98 min, OmU

rich-brotherBen, ein junger Kameruner, wird von seiner Familie nach Deutschland geschickt, um dort erfolgreich zu werden. Zerrissen zwischen seinem Wunsch, den Erwartungen seiner Familie gerecht zu werden und den begrenzten Möglichkeiten, die sich ihm in Deutschland bieten, bahnt er sich seinen Weg durch das zwielichtige Milieu der Berliner Boxwelt. Die permanente Präsenz der Familie in seinen Gedanken lässt ihn dabei nicht zur Ruhe kommen. Er ist unermüdlich in seinem Willen, den Respekt seiner Familie und die eigene Würde nicht zu verlieren, auch wenn er mit Füßen getreten wird. Sein Ziel ist klar: eines Tages will er als Weltmeister seiner Familie gegenübertreten. Nach 5 Jahren bekommt er endlich die Gelegenheit, nach Kamerun zurückzukehren. Dort ändert sich sein Blick auf sein Leben in Deutschland und ihm wird klar, was sich für immer verändert hat.

Mo, 02.11., 20:00
Di, 03.11., 18:00

„8“ – Acht Filme zu den UN-Entwicklungszielen

Australien, USA, Island, Peru, Burkina Faso, Äthiopien, USA, Deutschland 2009, R.: Jane Campion, Mira Nair, Gael Garcia Bernal, Jan Kounen, Gaspar Noe, Abderrahmane Sissako, Gus van Sant, Wim Wenders, 100 min, OmU

8Die Regierungen der Welt haben im Jahr 2000 auf dem UN-Millenniumsgipfel versprochen, die Armut bis 2015 zu halbieren. Daraus gingen acht messbare Ziele hervor – bekannt als die Millennium-Development-Goals. „8“ gab hochkarätigen Regisseur/innen aus aller Welt freie Hand, je ein MDG als Kurzfilm umzusetzen, und es entstand ein aufrüttelndes Gesamtwerk, das politisch engagiert und gleichzeitig der Filmkunst verpflichtet ist. Herausragend gelang die Dokumentation der schonungslos offenen Auseinandersetzung eines Mannes mit seiner Aids-Krankheit durch Gaspar Noé. Als Gegenpol dazu wirkt die Umsetzung zu Klimawandel und Wasser von Jane Campion poetisch, mystisch und durch karge Landschaftsbilder verzaubernd. Ein Ziel haben sie dann aber doch alle gemeinsam: Politikern in aller Welt zuzurufen: „Haltet Euer Versprechen!“

So, 1. November 2009, 22:00
Mo, 2. November 2009, 18:00

Hochburg der Sünden

Deutschland 2008, Regie: Thomas Lauterbach, 79 Min., De/Türk. mit dt. UT

in Anwesenheit des Regisseurs

hochburg-der-suende»Hochburg der Sünden« begleitet den Theaterregisseur Volker Lösch bei einem  außergewöhnlichen Experiment: Am Staatstheater Stuttgart wird die  »Medea« mit 17 muslimischen Laiendarstellerinnen inszeniert. Bei diesem  Prozess prallen die Lebensgeschichten der Frauen mit der Welt des Theaters  zusammen. Für die Protagonistinnen beginnt eine nicht immer leichte  Reise durch ihre Identitäten und Kulturen, in der die Frauen mehr und mehr  beginnen, ihre Zugehörigkeiten, Lebensweisen und letztendlich die Inszenierung  zu hinterfragen.

»Der Filmemacher nimmt spürbar teil an der  Lebensfreude- und Spielfreude, Selbstzweifeln und Ängsten und dem Mut,  gemeinsam aufzubrechen« (Jury DOK Leipzig). Goldenen Taube des Dokfilm- Festivals Leipzig 2008

So, 01.11., 20:00

One Goal

Spanien, 2008 Regie: Sergi Agusti, Doku 26 min, OmeU

one-goalSergi Agusti entführt uns mit seiner Dokumentation an einen Strand Sierra Leones, an dem ein Fußballteam aus Kriegsveteranen seit Jahren mit grandioser Leidenschaft trainiert. Aber nicht nur ihre Leidenschaft lässt den Zuschauer staunen sondern ihre Schnelligkeit, ihre Kraft, ihre Technik und ihr Anmut. Warum ist das besonders erwähnenswert? Deshalb, weil im Fußballteam niemand ist, dem nicht mindestens ein Arm oder ein Bein fehlt. Doch das macht die Dokumentation fast vergessen. Dagegen bleibt unvergesslich, wie überzeugend die ehemaligen Kriegshelden zu Helden des Friedens geworden sind. Ihr Spiel ist eine Mahnung gegen Krieg und Gewalt, die einen vielleicht deshalb nicht so schnell loslässt, weil Todernst und Lebensfreude so nah beieinander liegen.

Dieses Programm wird ergänzt durch weitere Kurzfilme. So viel Mut muss sein.

Sonntag, 01.11., 18:00

Sita Sings the Blues

USA 2008, R.: Nina Paley, 82 Min., OmdtU

sita„Ich schenke Euch Sita. Wie alles kulturelle gehört der Film Euch bereits. Aber ich mache es hiermit offiziell: schaut ihn an, kopiert ihn, verteilt ihn, archiviert ihn, zeigt ihn!“, schreibt Nina Paley, (fast) alleiniges Kreativitätsgenie des Animationsfilms „Sita Sings the Blues“. Sie hat ein Feuerwerk aus Farben, Formen, Geschichten und Musik geschaffen, das sich durch die Geschichte dreier Frauen aus unterschiedlichen Kontexten entfacht, die ein gemeinsames Problem haben: einen Mann, der sie nicht mehr liebt. Nach mehr als 30 renommierten, internationalen Preisen sollten wir diesen Film feiern: beim Indien-Abend im Thalia.

Sa, 31.10., 23:45 Uhr

The Damned Rain

Indien 2008, R.: Satish Manwar, 100 Min., OmeU

damed-rainWestliche Dokumentar-Filmemacher portraitierten immer wieder die unsäglichen Verhältnisse in der indischen Baumwollproduktion. Monsanto und Co. stürzen Bauern in den Ruin. Gifte in hoher Konzentration landen auf den Feldern. Doch wann hat man je einen Film wie diesen gesehen? Sathish Manwar bietet in seinem Spielfilm dem Bauern Kisna und seiner Familie Raum zur Entfaltung. Auch Kisnas Hof kämpft angesichts steigender Schulden ums Überleben – doch er bietet allen Widrigkeiten die Stirn. Und seine Familie hofft, dass er dem um sich greifenden Schicksal der verzweifelten indischen Bauern nicht erliegen möge: dem Selbstmord.

Sa, 31.10., 21:45

Shortcut to Justice

Deutschland 2008, R.: Sybille Fezer, Daniel Burkholz, 41 Min., dt. OF

shortcut2Eigeninitiative ist die einzige Chance. In Gujarat, im Nordwesten Indiens, haben Frauen deshalb selbst Gerichte ins Leben gerufen. Die „Frauen für Gerechtigkeit“ wehren sich gegen Unrecht und Gewalt, unter denen viele Frauen dort leiden. Das Indische Rechtssystem ist hoffnungslos überlastet: Über 13 Millionen Fälle sind unbearbeitet, manche Verfahren dauern bis zu zehn Jahre. Betroffen sind besonders Frauen, denn Gewalt in der Ehe (mit immer noch über 7.000 Morden an Ehefrauen jährlich) und Zwangsverheiratung sind oft noch alltäglich für indische Frauen quer durch alle gesellschaftlichen Schichten. Weil Polizei und Justiz oft untätig bleiben und kaum Schutz und Hilfe geben, haben sie selber ein Gericht gegründet. Sie sprechen Recht – unter einem Baum auf einem staubigen Platz am Rande eines Armenviertels. Sie greifen ein, um Frauen zu ihrem Recht zu verhelfen. Mit Schlagfertigkeit und Kreativität weisen sie prügelnde Ehemänner und böse Schwiegermütter in die Schranken. Und wenn es sein muss, ziehen sie auch schon mal als Räumkommando los, um die Mitgift einer armen Witwe, die mit ihrer Tochter einfach auf die Straße gesetzt wurde, zurückzuholen. Eine couragierte und motivierende Dokumentation über die Kraft und Dynamik, den ersten Schritt zu wagen und seine Rechte einzufordern.

Die Regisseure Daniel Burkholz und Sybille Fezer werden zur Filmvorführung und anschließenden Diskussion anwesend sein.

„Endlich einmal gute Nachrichten über Indien [ … ] Ein Film, dem man nicht anmerkt, dass er von westlichen Filmemachern gedreht wurde.“
Ujjwal Bhattacharya, Deutsche Welle

Sa, 31.10., 20:00 Uhr

Memory Books – Damit du mich nie vergisst…

Deutschland 2007, R.: Christa Graf, 94 Min., OmU

memory-booksEinen offenen und gleichzeitig sensiblen Umgang mit dem Tod erleben viele ugandische Kinder durch die Memory Books ihrer HIV-infizierten Mütter. Die Mütter müssen sich mit dem Tod auseinandersetzen und sammeln in den Erinnerungsbüchern Familiengeschichten, Lieder und Zukunftswünsche, die ihnen und ihren Kindern helfen, Abschied zu nehmen. Für die Kinder entstehen wertvolle Erinnerungsstücke, die später den wohl wichtigsten Leitfaden in ihrem Leben bilden.

Sa, 31.10., 18:00
Mo, 02.11., Jugendprogamm (nur mit Anmeldung)

Burma VJ – Reporting from a Closed Country

Norw./Sw./Dänemark, GB 2008, R.: Anders Östergaard, 84 Min., OmeU

burma1Eine kleine Gruppe Unerschrockener dokumentiert unter höchstem Risiko, was die Diktatoren von Burma vor der Welt unbedingt geheim halten wollten: Nach dem blutig niedergeschlagenen Protest von 1988 wagen diesmal die Mönche den Marsch für Demokratie und gegen Hunger. Dramatische Bilder von Zivilcourage und brutaler Staatsgewalt gehen um die Welt – weil Videojournalisten mit kleinen Kameras unter Einsatz ihres Lebens filmen und die Aufnahmen außer Landes schmuggeln. Auch 2007 beendet die Militärjunta die Proteste gewaltsam. Doch aus der Tradition der Videoaktivisten wird eine dokumentarische Revolution, angeführt von engagierten skandinavischen Filmemachern. Was man bisher als kurze Nachrichten kannte, wird hier durch Montage und Kontext zu einem spannenden, tief gehenden Film über Journalismus und Ethik unter Lebensgefahr (Dokfest München)

Zahlreiche Internationale Preise u.a. Cinema for Peace Award (Berlinale 2009), Vaclav Havel Special Award (One World Prag 2009), World Cinema Documentary Editing Award (Sundance Film Festival 2009)

Fr, 30.10., 23:30
Mo, 02.11., 22:00

El Olvido – Das Vergessen

Niederlande, Deutschland 2008, R.: Heddy Honigmann, 93 Min., OmeU

el-olvidoKellner, Schuhputzjungen, Mädchen, die an einer Straßenkreuzung Kunststücke vorführen – in der Millionenstadt Lima bleiben sie in der Regel unbeachtet. Heddy Honigmann schenkt ihnen Aufmerksamkeit. Ihr Film macht die Würde und den Charme der Übersehenen sichtbar: Sie sind das heimliche Herz der Stadt. Mit großer Empathie und in liebevollen Bildern lässt die Regisseurin ihre Protagonisten von ihrem Leben erzählen. Ganz von selbst offenbaren sich so die Absurdität und das Unrecht der politischen Verhältnisse. Zwischen Vergessen und Erinnern verläuft der Graben, der die politische Elite Perus von der Bevölkerung trennt. Alle Präsidenten Perus sind vergesslich. Sie sollten den berühmten Froschsaft für gutes Gedächtnis trinken – denn sie erinnern sich nie an ihre Versprechungen.

Silberne Taube DOK Leipzig 2008

Fr, 30.10., 21:45