Archiv der Kategorie: filme-2008

Invisibles / DieUnsichtbaren

Spanien 2007, R.: Wim Wenders, Isabel Coixet, Javier Corcuera, Doku, 60 min (OmU)

invisibles1Der Film „Die Unsichtbaren“ stellt Menschen und Lebensumstände in den Mittelpunkt, die sonst nicht im Scheinwerferlicht der Medien stehen. In einem Filmprojekt haben sich die fünf Regisseure Wim Wenders, Isabel Coixet, Javier Corcuera, Mariano Barroso und Fernando León zusammengefunden, um auf vergessene Krisen in Bolivien, der Demokratischen Republik Kongo, Uganda und der Zentralafrikanischen Republik und Kolumbien aufmerksam zu machen. Der dokumentarische Gemeinschaftsfilm entstand in Zusammenarbeit mit Ärzte ohne Grenzen.
Wir haben drei Autorenfilme ausgewählt. Die Regisseurin Isabel Coixet begleitet in ihrem filmischen Brief das bolivianische Kindermädchen Nora in ihrem Arbeitsalltag in Spanien. In Kolumbien trifft Javier Corcuera Bauern, die gewaltsam von ihrem Land vertrieben wurden und das nicht nur einmal. Trotzdem machen sie sich voller Mut, Kraft und Zuversicht auf den Weg zurück in ihre Dörfer – das ist ihre Heimat. Wim Wenders ist in den Kongo gereist und berichtet von den vielen „Unsichtbaren“, die an den Folgen des Bürgerkrieges leiden, aber auch von Menschen, die sich ihrer annehmen.
Der Film INVISBLES wurde 2008 mit dem Goya Award ausgezeichnet.

Do, 16.10., 20:00

Iron Lady of Liberia

Dänemark 2007, R.: Daniel Junge, Doku, 54 min

ironladyNach fast zwei Jahrzehnten Bürgerkrieg kommt Liberia allmählich zur Ruhe. Das westafrikanische Land versucht einen Ausweg aus dem Chaos zu finden, das der Diktator Charles Taylor und seine Schergen hinterlassen haben. Am 16. Januar 2006 wurde Ellen Johnson Sirleaf als Präsidentin vereidigt. Sie ist die erste frei gewählte Staatschefin in Afrika. Nachdem sie eine heiß umkämpfte Wahl – vor allem durch die überwältigende Unterstützung der Frauen – gewonnen hatte, berief sie mehrere Frauen in allen Bereichen der Regierung auf Führungspositionen. Mit der Unterstützung der von ihr berufenen Frauen – wie den Ministerinnen für Justiz und Finanzen sowie der Polizeichefin – versucht die erste Präsidentin Liberias dauerhaft Demokratie und Frieden in das verwüstete Land zu bringen.

Do, 16.10., 22:00

Maroa

Spanien/Venezuela 2005, R.: Solveig Hoogesteijn (OmU)

maroa4Straßenkind Maroa lebt in Venezuelas Hauptstadt Caracas. Lesen kann sie nicht, aber stehlen und Ikonen verticken. Telenovelas, Rap und Raub geben die Richtung vor – bis sie Musiklehrer Joaquin trifft und sich nicht nur in dessen Klarinettenspiel verliebt. Als sie in einem Heim landet, begegnet sie ihm wieder. Er nimmt sie in seine Orchesterklasse auf und legt den Grundstein für Maroas komplizierte Leidenschaft.
Gleichermaßen sehenswert für Jugendliche und Erwachsene. (Besonders empfohlen ab 14).
Publikumspreis Biaritz 2005

Fr, 17.10., 17:00
So, 19.10., 17:00

Un poquito de tanta de verdad/Ein bisschen von so viel Wahrheit

Mexiko 2006, R: Jill Freidberg (OmU)

poquitoverdatWas mit einem Streik der LehrerInnen für bessere Löhne und soziale Bedingungen bagann, führte 2006 zu einer beispiellosen Rebellion und breiten Solidarisierung der Bevölkerung im südmexikanischen Staat Oaxaca. Über Monate hinweg werden Straßen blockiert, Regierungsgebäude besetzt, die Stadt in Selbstverwaltung regiert und die Absetzung des verhassten Gouverneurs Ulises Ruiz Ortiz gefordert. Die ProtagonistInnen selbst berichten in vielseitigen Interviews über den Ablauf und die Hintergründe der Rebellion. Eine Schlüsselrolle spielen dabei ein TV- und 14 Radiosender, die von AktivistInnen der Graswurzel-Bewegungen besetzt werden. Die Sender entwickeln sich zum wichtigsten Kommunikationsinstrument im Kampf für soziale, ökonomische und kulturelle Gerechtigkeit. „Die Kommune von Oaxaca“, wie sie von einigen bezeichnet wird, sieht sich einer blutigen Repression ausgesetzt, die an die lateinamerikanischen Diktaturen der 70er Jahre erinnert. „Ein kleines bisschen von so viel Wahrheit“ führt mit viel Geschick das Videomaterial von mehreren engagierten MedienmacherInnen zusammen. Das Ergebnis ist eine intime und atemberaubende Erzählung von historischer Bedeutung.

Fr, 17.10., 20:00

Maquilapolis. City of Factories

USA /Mexiko 2006, R.: Vicky Funari (OmeU)

maquilapolisCarmen und Lourdes arbeiten in den Maquiladoras von Tijuana, Mexiko. An der Grenze zu den USA entstanden mit Krediten von Weltbank und IWF seit den 1960er Jahren fast 4000 Fabriken (sattsam bekannter Marken), in denen mehr als 1 Million Arbeitskräfte, 80 Prozent davon Frauen, für Billiglöhne am Fließband schufteten. Heute schließt ein Großteil von ihnen – in Asien ist Arbeitskraft noch billiger zu haben – und hinterlässt kontaminierte Böden, Krankheit, Verwüstung und Armut. Vicky Funari und Sergio de la Torre haben mit Maquilapolis einen eindrucksvollen Dokumentarfilm über diese Fabriken in der mexikanischen Grenzstadt gedreht. Gemeinsam mit ArbeiterInnen, die sich in den vergangenen Jahren politisch organisiert haben, veranstalteten die beiden FilmemacherInnen einen sechswöchigen Videoworkshop. Anschließend dokumentierten die Frauen selbst ihre Arbeit in der Maquila, ihr Leben in den von Fabrikabwässern vergifteten Slums von Tijuana und die erfolgreiche Zusammenarbeit lokaler Initiativen mit linken Basisorganisationen aus den USA. Hier gibt es keine Opfer, sondern Widerstand und Power. Indem sie die sich als „Promotoras“ organisierenden Frauen in ihre Arbeit einbezogen, Material und Ideen gemeinsam entwickelten, wurde der Film nicht nur zum Zeugnis, sondern zum Instrument einer Subjektwerdung. Carmen erkämpft sich eine Abfindung, Lourdes fordert mit einer kleinen Gruppe Gleichgesinnter die mächtigen Umweltbehörden der USA und Mexiko heraus. „Maquilapolis“ geht über eine Sozialreportage weit hinaus, arbeitet mit Inszenierungen, visuellen Effekten sowie Tagebuch-Elementen und dokumentiert eindrucksvoll die oft beschworene Kraft der Schwachen. Wer in Zukunft sein Panasonic-Gerät einschaltet, wird an die Frauen von „Maquilapolis“ denken.

Fr, 17.10., 22:00

To See If I’m Smiling

Israel 2007, R.: Tamar Yarom (OmeU)

tosee1In Israel werden auch Frauen für einen knapp zweijährigen Militärdienst eingezogen. Einige melden sich freiwillig zum Einsatz in den besetzten Gebieten. Doch von dort kommen sie nicht selten traumatisiert zurück. Durch die vier fesselnd ineinander verwobenen Interviews des Films öffnet sich uns Zuschauern ein Abgrund von individuellen und kollektiven Grenzüberschreitungen im Ausnahmezustand. Sie können das „Leben danach“ für die Heimkehrerinnen zum Albtraum werden lassen.
Zahlreiche internationale Preise, u.a. Hot Docs Toronto 2008 (Special Jury Prize).

Sa, 18.10., 20:00

Nacht vor Augen / A Hero’s Welcome

Deutschland 2008, R.: Brigitte Maria Bertele (dt. OF meU)

nachtvoraugenAls David aus Afghanistan zurückkehrt, wartet eine Überraschung auf ihn: Seine Freundin hat eine hübsche neue Wohnung eingerichtet: Sonnenblumen auf dem Duschvorhang, romantische Vorhänge und ein King-Size-Bett – „von Deiner Gefahrenzulage und meinen Überstunden“, witzelt sie. Alles passt wunderbar zusammen in diesem kleinen Ikea-Idyll. Nur David passt nicht mehr hinein.
Baden-Württembergischer Drehbuchpreis 2007, „Nachwuchspreis der DEFA Stiftung

Sa, 18.10., 21:15

Roaming Around

Deutschland 2007, R.: Brigitte Maria Bertele (dt. OF)

roamingaround„Sodom und Gomorrha“, eine wilde Siedlung am Rande der ghanaischen Millionenmetropole Accra, ist das Auffangbecken der Gestrandeten, Heimatlosen, Diebe, Zuhälter, Dealer und Straßenkinder. Da ist Dangerman und seine Gang, deren kindliches Spiel sekundenschnell in einen Kampf umschlagen kann; Justice, der durch seine Schlitzohrigkeit immer bekommt, was er will; Azariah und Emmanuel, die unzertrennlich sind und wie Brüder aufeinander achten; Yamboy, bei dem man nie weiß, ob er lacht oder weint; Stephen mit der zerfurchten Stirn und nur einem Schuh. Und Akua, die auf der Straße endlich tun kann, was sie will. Ihr Leben ist ein ständiges Wechselbad aus täglichem Überlebenskampf und dem Drang nach Freiheit und Selbstbestimmung. Einziger Ausweg aus ihrer Einsamkeit, Entwurzelung und der ungestillten Sehnsucht nach elterlicher Liebe ist ihre Gabe der tiefen Versenkung ins Spiel und ihre noch ungebrochene Fähigkeit zu träumen. Durch die Begegnung und Reflexionen von Amma Darko erhalten die Geschichten der Kinder ein universelles Profil, in dem sich literarische Passagen mit der dokumentarischen Beobachtung mischen.

Sa, 18.10., 23:00

Americans in Pyongyang

Deutschland 2008, R.: Ayelet Heller (OmU)

americansinpjongjangDie Musik schafft sogar dort Wege, wo sich Diplomaten seit Beginn des kalten Krieges die Zähne ausbeissen. Am 26. Februar dieses Jahres besuchte augerechnet ein US-amerikanisches Orchester – die New Yorker Philharmoniker – Pjöngjang, um ein weltweit beachtetes Konzert zu spielen. Und zwar auf Einladung aus Nordkorea!
In der Doku kommen Chefdirigent Lorin Maazel und Musiker beider Länder zu Wort. Produziert wurden übrigens sowohl die Konzertaufnahme als auch die Dokumentation der Reise in Leipzig. Ob diplomatischer oder künstlerischer Coup bleibt zu beantworten.

So, 19.10., 20:00

Plattln in Umtata – mit der Biermösl Blosn in Afrika

Deutschland 2007, R.: Peter Heller

plattlninumtata„Wir fliegen jetzt in ein Land, in dem es eine schwarze Regierung gibt, die einen Befreiungscharakter hat. Das kann man bei uns in Bayern nicht sagen.“ so beginnt die musikalische Entdeckungsreise der Biermösl Blosn in Südafrika. Die Dokumentation des welterfahrenen Regisseurs Peter Heller lässt uns an dieser unterhaltsamen Begegnungsreise teilhaben – und wir brauchen beim Eintauchen in die südafrikanische Kultur nicht einmal die von Gerhard Polt empfohlenen Glasperlen „zum Schutz vor Menschenfressern“. Sicherer als im Kino Thalia geht’s nicht!

So, 19.10., 21:45